Commons-Ökonomie-Projekte

Bild des/r Benutzers/in Mica

Hallo,
ich würde hier gerne eine Sammlung starten, welche Projekte in deutschen Transition-Initiativen laufen zum Thema der commons-Ökonomie (unser derzeitiges Projekt findet ihr unter: leila-berlin.de ). Commons-Ökonomie bezeichnet dabei eine Wirtschaftsweise des sharing, d.h. Schenken/Teilen/gemeinsam nutzen; eine Ökonomie also, die Effizienz im Sinne der besten dauerhaften Befriedigung der Bedürfnisse aller definiert ohne die Bedrüfnisse Einzelner zu übergehen. Commons kann also nur auf der Basis freiwilliger Teilnahme und echter Gemeinschaftlichkeit entstehen, mit allen Problemen, die das mit sich bringt (notwendige Motivation Ehrenamtlicher, interne Kommunikation und Demokratie gewährleisten, Mangel an Geld und Ressourcen etc.).

Dazu ein paar Thesen:

- Grundsätzlich besteht in unseren Initiativen eine Spannung zwischen der aktuellen Geld-Ökonomie und der commons-Ökonomie, die wir anstreben. Wenn wir Projekte anstossen, die die commons-Ökonomie effektiv umsetzen, können wir zwar viel Geld sparen, jedoch nicht sofort Geld-los leben. Das bedeutet, dass alle Transition-Aktiven mit einem Bein in der Geld-Ökonomie feststecken, zumindest um die Miete u.ä. zu zahlen. Dafür müssen sie dieses Geld auch in mehr oder minder sinnvollen Jobs verdienen, was von der Zeit abgeht, die man für die commons-Ökonomie übrig hat.

- Commons-Projekte sollten demnach für die dort arbeitenden eine Möglichkeit beinhalten, dass sie von ihrer Arbeit auch leben können. Das bedeutet nicht, dass diese Projekte profit-orientiert betrieben werden, aber es heißt, dass das Einwerben/ Einnehmen von Geldern notwendig ist, die für den dauerhaft laufenden Betrieb ausreichend Stellen finanzieren, von denen man ein passables Auskommen hat.

- Das geltende Recht verpflichtet uns, für die Beantragung von Geldern Strukturen aufzubauen. Wir müssen also Erfahrungen austauschen (und evtl. auch Mustersatzungen/ Geschäftsordnungen/ AGBs erarbeiten und teilen), am Besten natürlich auf einer gemeinschaftlich genutzten Seite wie dieser hier.

- Die notwendigen Strukturen beinhalten Folgekosten, z.B. für die Buchhaltung, die die Spannung zwischen der commons-Idee des Projektes und der Geld-Ökonomie in das Projekt hineintragen, weil weiteres Geld hereinkommen muss. Es stellt sich also die Frage, ob und wie es schon in der Planung der Strukturen möglich ist, die negativen Folgen der Geld-Ökonomie  gering zu halten (ich denke da an das Projekt der Bäckerei im Film, können wir so etwas nachahmen?).

- Neue Projekte brauchen Beratung, damit sie Anfängerfehler vermeiden, die das Projekt schon in der Anfangsphase zu straucheln bringen könnten. Diese Beratung kann (s.o.) aber nicht dauerhaft kostenlos bereitgestellt werden. Transition in UK hat deshalb eine Firma gegründet. In Deutschland bietet sich für social entprises die Form der Genossenschaft an, die hier deutlich besser etabliert ist (wir sind also damit im Vorteil zu anderen Ländern).

- Transition kann auf Dauer nicht rein ehrenamtlich betrieben werden, auch wenn es eigentlich darauf hinzielt, eine Alternative zur Geld-Ökonomie zu schaffen. Die logische Schlussfolgerung ist, dass die Bezahlung in unseren Projekten zunehmend in complementär-Währungen erfolgen sollte. Dafür müssen wir solche Währungen jedoch etablieren, was neue Strukturen erfordert.... usw. ....

 

Meine Schlussfolgerung: Transition ernsthaft umzusetzen über ein reines Freizeitprojekt hinaus wird unser Leben wie wir es kannten komplett umkrempeln. Eine Alternative dazu sehe ich nicht, wenn wir nicht dauernd darauf zurückgreifen wollen, dass unsere aktivsten Transitioner von Hatz IV leben müssen, um die Zeit und Energie für die Umsetzung unserer Projekte zu haben. Sind wir schon bereit? Ich selbst schwanke noch...

Gruppenzugehörigkeit: 

Kommentare

Bild des/r Benutzers/in Berens, Bettina

Hallo zusammen,

ich finde es wichtig, irgendwie ein "gesundes" Verhältnis zur etablierten Geldwirtschaft zu entwickeln. D.h. in meinen Augen, ich fange bei mir an.

1. Was kann ich geben, ohne dafür Geld zu erwarten.

2. Wieviel Zeit will ich einbringen, die z.B. für meine Familie wegfällt, oder die ich nicht nutzen kann, um Geld zu verdienen.

3. Wieviel Zeit habe ich schon investiert, die mir jetzt fehlen würde.

4. Wieviel altes Geld habe ich schon investiert, das mich jetzt davon abhält, ohne Geld dieses Wissen weiterzugeben.

5. Wo kommt das Vertrauen her, dass ich investiere, weil ich mir vorstellen kann, dass ich im Falle eines Problems von denen erhoffe, denen ich mein Wissen bis dahin zur Verfügung gestellt habe.

7. Wie gehe ich damit um, dass ich reale Werte der Allgemeinheit zur Verfügung stelle, in der Hoffnung, es wird schon.

8. Wie kriegen wir es hin, eine andere Wertschätzung so erstrebenswert zu machen, dass ich eben nicht vergleiche, wieviel in Euros ich jetzt denke, dass etwas wert sein könnte.

Danke fürs mittransformieren.

Bild des/r Benutzers/in Gert Schmidt

Es gibt eine neue Plattform für ein Komplementärsystem, das von Initiativen dezentral genutzt werden kann:

https://www.fcoin.de

Habe dazu einen Blogbeitrag geschrieben, der das wichtigste zusammenfasst:

http://www.transition-initiativen.de/profiles/blogs/regiogeld-mit-fcoin-aufbauen

Bild des/r Benutzers/in Hubertus Ahlers

Hallo zusammen,

ich möchte mich für den Beitrag von Maike bedanken, das Thema beschäftigt ja viele, die aus der Hobby-Freizeit-Veranstaltung raus und in ökonomisch tragfähige Projektarbeit einsteigen wollen. Aus meinen Erfahrungen der letzten Jahre kann ich sagen: Es braucht Leute, die bereit sind, Pionierarbeit zu leisten, ohne eine Bilanz aufzumachen, was an Geld und Zeit "draufgeht". Man macht das ja auch für alle, die z.B. aus familiären Gründen gar keine Möglichkeit haben, voll einzusteigen. Zumindest solange wir noch kein Netzwerk fairer Ökonomie haben. Wir brauchen aber Projekte mit ökonomischer Substanz, die es denjenigen, die Transition als Hauptberuf(ung) machen wollen, ermöglichen, aus der Selbstausbeutung herauszukommen. Eine temporäre und zumindest partielle Teilnahme am konventionellen Betrugs-Geldsystem ist dabei leider unausweichlich. Ich hab keine andere Idee, so schmerzhaft das ist. Kurz zu dem, was wir in den letzten Jahren gemacht haben, vielleicht ein Modell mit Zukunft!? Wir haben Land gekauft, einen landwirtschaftlichen Betrieb für gartenbauliche Sonderkulturen (Mindestgröße in NRW 1,25 ha) bei der LWK anerkennen lassen, die Infrastruktur geschaffen (Herstellung der Kulturfähigkeit, hydroponisches Bewässerungssystem, Tiefenbrunnen, Anbauflächen, Treibhaus, Remise etc.) Diese Bio-Gärtnerei mit bereits bestehenden Vertriebswegen (= Einkommensmöglichkeiten) wandeln wir jetzt in eine gemeinnützige Stiftung um. Erst wenn diese Stiftung fertig und genehmigt ist, gehen wir an die Öffentlichkeit und laden zum Mitmachen ein. Ziel ist es, auf den bestehenden Arbeitsbereich genossenschaftliche, urbane Landwirtschaft den zweiten Arbeitsbereich Gemeinschafts- und Open-Source-Produktion draufzusetzen. Das aber können wir aus Eigenmitteln nicht mehr leisten. Als gemeinnützige Stiftung hat man jedoch einen ganz anderen Auftritt beim Einwerben von Mitteln für den weiteren Ausbau des Projekts. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass diese Strategie ein Weg zu ökonomisch nachhaltigen Transition-Projekten sein kann. Die Zukunft wirds zeigen. Zum Schluss: Man muss sich zwar unwiderruflich von seinem Privateigentum trennen, wenn man eine gemeinnützige Stiftung gründet, es tut aber nicht weh, da über die Stiftungssatzung die künftige Verwendung im Sinne der Transition-Agenda für alle Zeit festgeschrieben ist. Und nach der Novellierung des Stiftungsgesetzes muss man nicht mehr Multimillionär sein, um eine Stiftung zu gründen. Wenn sich ein paar Leute mit Mut und Herz zusammentun, gehts. Was haltet ihr davon?

Grüße

H.

Bild des/r Benutzers/in Konrad Stimmel

Liebe Maike,

mich würde mal eine genaue Analyse des Regiogeldes interessieren.

Auch wenn wir uns ungern die Finger schmutzig machen, wenn an den Rändern der

Geschenkökonomie Mieten, Steuern, Gebühren etc anfallen, sind wir partiell Teil

der Marktwirtschaft, solange es die noch gibt. Auch als Regionutzer.

Gehört das Thema zu Commons? herzlich, Konrad

Bild des/r Benutzers/in hatheca

Hallo Maike,

der Beutrag ist ja schon ne Weile her. Aber ich habe das Netzwerk erst jetzt entdeckt.

Deine Meinungen teile ich zu einem großen Anteil.

In den letzten Jahren habe ich sehr viel Gemeinschaftsprojekte wie Ökodorf Sieben Linden, Schloß Tempelhof oder Kommune Niederkaufungen besucht und mich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiv beschäftigt.

Ich bin der Überzeugung, dass wir uns in solchen oder ähnlichen Projekten engagieren müssen, um etwas zu verändern, d.h. Betriebe gründen, die solidarisch, ökologisch, nachhaltig wirtschaften.

evtl. in Form von Genossenschaften, Stiftungen, Vereinen...

Die Projekte des Mietshäusersyndikats sind z.B. auch eine Möglichkeit....Bankenwechsel... o.a.

Ein Auszug aus einer alten Nachricht, die meine Ansichten vielleicht nochmal verdeutlichen (bin gerade etwas schreibfaul):
"In den letzten Jahren war ich sehr viel in Gemeinschaftsprojekten unterwegs und sehe vieles mit gemischten Gefühlen. Anfänglicher Begeisterung insbesondere über Gruppenprozesse während Mitmach-, Mitarbeits- oder Kennenlernwochen (ist ja schon eine besondere Situation...man trennt sich nach einer Woche wieder und erlebt nicht den normalen Alltag), folgte dem etwas Ernüchterung. Ich sehe das so (bin vielleicht auch sehr kritisch), dass viele Projekte eher schlecht "funktionieren" bzw. mit vielen Problemen zu kämpfen haben. Ich frage mich wieso? Woran kann das liegen? Was ist wirklich nachhaltig? Beispiele: Sehr marode Immobilien, die nur sehr mühsam renoviert werden können (finanziell sehr hoher Aufwand). Vielfach rel. schlecht bzw. mit vielen Schwierigkeiten behaftete Arbeitsbereiche (besonders im Gartenbau und im Bereich Handwerk hatte ich oft diesen Eindruck). Hoher Aufwand um das Zusammenleben zu organisieren (Plena und so..., eintretende "Kommunikationsmüdigkeit", abhanden kommende "Lockerheit"). Ich habe mich daher von dem Gemeinschaftsgedanken eher wieder entfernt. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass eine gesellschaftliche Veränderung nötig und nur von unten möglich ist.
Für mich sind die Projekte, Schloß Tempelhof und Sieben Linden vielleicht Kommune Niederkaufungen (Kommuneverbund Kassel) Beispiele, die rel. gut "funktionieren". Durch die starke Ausrichtung auf Veranstaltungen und Seminare (die teilweise auch recht teuer sind) stellen diese Projekte für mich Sonderformen da, die nicht unbegrenzt kopiert werden können.
 
Ich würde mir wünschen, dass in einem Projekt Arbeitsbereiche aufgebaut werden würden, die wirklich gut funktionieren. Ich frage mich was braucht es dazu?
...nicht nur Einpersonenpraxen mit irgendwelchem alternativ therapeutischem Krimskrams (sorry etwas abwertend ausgedrückt)...
 
Auch ist es immer noch so dass diese Projekte von bestimmten Personengruppen "gesucht" werden. Um es auf eine breitere gesellschaftliche Basis zu stellen braucht es noch irgendetwas..aber was?
Zumindest wenn man davon ausgeht, dass man eine breitere gesellschaftliche Veränderung anstrebt."....
Möchte einfach eine weitere Diskussion anstoßen...
Gruß Harald

Bild des/r Benutzers/in hatheca

Für folgende 2 große Projekte möchte ich hier etwas Werbung machen:

http://projektwerk-bodenteich.de/

http://gemeinschaftsstifter.de/

Schöne Grüße

Bild des/r Benutzers/in hatheca

Liest das jemand?

Bild des/r Benutzers/in Hubertus Ahlers

Hallo Harald,

ja, ich lese mit und antworte im Winter.

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen: "Mit irgendwelchem alternativ therapeutischem Krimskrams" geht's nicht richtig weiter ;-) Und rein digital auch nicht. Und wir können auch nicht alle Künstler werden oder Bioläden eröffnen.

Ich meld mich,

liebe Grüße

Hubertus